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  >  Auswandern   >  Schweiz: Die ersten 3 Monate

„Wie gefällt’s euch jetzt in der Schweiz?“
„Ihr verdient jetzt bestimmt viel Geld!“
„Mögen die Schweizer die Deutschen wirklich nicht?“
Solche und andere Fragen habe ich in der letzten Zeit von deutschen Freunden, Bekannten oder aus der Familie gehört. Der beste Satz war aber „Na ja, Schweiz, das ist ja nicht mal richtig Ausland, das könnt ihr ja fast nicht Auswandern nennen“. Ach nein? Hier gibt es Unterschiede. Und zwar Große!

Jetzt lebe ich hier genau drei Monate, durch meinen Beruf habe ich Unmengen Kundenkontakt und da kann man schon viel erfahren. Eigentlich finde ich, dass drei Monate noch keine lange Zeit sind um ein Statement über ein Land zu geben. Ich werde sicher noch einmal einen Blogartikel verfassen, wenn ein Jahr vorbei ist. Aber da ich so oft gefragt werde, schreibe ich jetzt einfach mal darüber.

„WIE GEFÄLLT ES EUCH IN DER SCHWEIZ?“

Der Klassiker. Wie gefällt es euch. Na ja, sehr gut natürlich! Das wäre die kurze Antwort, die ich über Whats App abgebe. Wer es genauer wissen will, fragt dann auch genauer nach.
Was gefällt euch bis jetzt besonders gut?“. Ah schon besser. Dann leg ich mal los.
An der Schweiz gefällt mir primär natürlich die Landschaft extrem gut. Wir wohnen am Fuße der Alpen und haben von unserer Wohnung einen Ausblick auf einen See und Berge. Klingt traumhaft? Ist es auch. Da wir mehr arbeiten müssen als in Deutschland, ist es wirklich wohltuend in so eine Urlaubslandschaft heimzukehren. Mein Mann ist passionierter Ski- & Snowboard Fahrer und muss maximal 1 Stunde fahren, um in ein großes Ski Gebiet zu kommen. Ein kleines ist auch nach 15 Minuten erreichbar. Außerdem fährt er gerne Motorrad und die kurvenreichen Straßen machen ihm dann natürlich auch mehr Spaß.
Apropos mehr Spaß beim Fahren: Das Autofahren ist hier viel angenehmer als in Deutschland. Hier in der Schweiz wird nur selten gedrängelt, selbst wenn man wegen den Kurven etwas langsamer fährt. Dadurch, dass zu schnelles Fahren wirklich teuer ist, wird sich auch überwiegend an die Geschwindigkeit gehalten. So durfte ein Kollege 5.000,- CHF zahlen, als er es darauf anlegte und  auf der Autobahn 60 km/h zu schnell gefahren ist.

Das Klischee, dass die Schweizer sehr höflich sind kann ich nur bestätigen. Hier kann ich natürlich nur von der Zentralschweiz sprechen, denn ich denke, die Mentalität in der West- oder Südschweiz ist wieder eine andere. Sie lassen einen immer Ausreden und sind sehr hilfsbereit. In meinem Beruf fällt es mir am meisten auf, es lässt sich mit den Schweizern insgesamt einfacher arbeiten. Ich mache in Ruhe meine Beratung, sie hören sich alles an und stellen dann ihre Fragen. In Deutschland war das schon manchmal ein Kampf, die Beratung überhaupt zu Ende führen zu dürfen. 

„IHR VERDIENT JETZT BESTIMMT VIEL GELD!“

Ja, natürlich verdienen wir hier viel Geld. Das müssen wir auch, denn die Lebenshaltungskosten sind deutlich höher als in Deutschland. Es ist nicht so, dass man hier in der Schweiz plötzlich zum Millionär wird. Die Miete kostet uns z. B. das vierfache wie in Nürnberg. Dafür ist die Wohnung aber auch doppelt so groß und hat eben diese wundervolle Aussicht.
Fleisch ist hier auch wahnsinnig teuer, wenn man mal essen gehen möchte, kann man für ein Schnitzel mit Pommes mal locker umgerechnet 40 € bezahlen. Dafür gibt es hier aber überwiegend regionale Produkte. Man kommt natürlich mit dem Geld durch und ich würde lügen, wenn ich sage, uns geht es hier wie in Deutschland. Es geht und hier finanziell schon besser, aber es ist eben nicht der mega Sprung den manche vielleicht denken.

„MÖGEN DIE SCHWEIZER DIE DEUTSCHEN WIRKLICH NICHT?“

Puh, schwierige Frage. Also, selbst wenn sie uns nicht mögen würden, sie sind zu höflich um es einem direkt ins Gesicht zu sagen. Ich habe wie gesagt schon viel Kundenkontakt gehabt und bis jetzt nur einen (!) der sich hat anmerken lassen, dass er etwas gegen Deutsche hat. Da verlief die Konversation dann so:
Kunde: Sind Sie etwa Deutsche!?“
Ich: Ja, genau,“
Kunde: Sagen Sie mal, verstehen Sie mich überhaupt?“
Ich: Ja, ich verstehe Schwyzerdütsch, wenn ich etwas jedoch nicht verstehe, dann frage ich einfach nach.“
Kunde: Aha. Das werden wir ja sehen. Ihr Deutschen immer…“
Ich war ziemlich irritiert, denn er ist gleich negativ mir gegenüber geworden, nachdem ich ihn begrüßt habe. Sowas gibt es dann halt leider auch, aber es ist zum Glück sehr selten.

Es ist doch eigentlich ganz einfach, wenn ihr immer freundlich und höflich seid, sind es die Schweizer auch zu euch. Wie du mir, so ich dir. Einfach gut überlegt antworten und nicht drauf losplappern, dann wird schon alles gut. Über die Schweizer Preise motzen ist übrigens ein No Go! Da musste ich mich im Zug schon einmal gewaltig Fremdschämen, weil sich eine Deutsche lauthals am Telefon darüber beschwert hat, dass die Bettwäsche 10 CHF mehr gekostet hat, als wenn sie diese in Deutschland gekauft hätte. Das war wirklich peinlich.
Immer daran denken: Man verdient hier auch locker das doppelte als in Deutschland, da darf die Bettwäsche dann auch mal 10 CHF mehr kosten.
Das ist mal mein Statement zu meinen ersten drei Monaten in der Schweiz. Ich bin gespannt, was noch kommen wird und wie sich meine Ansichten im Laufe des Jahres vielleicht sogar ändern werden.
Bis dahin!

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