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  >  Schweiz   >  Gedanken zum Auswandern

Es kann viele Gründe geben, warum Menschen auswandern möchten. Die Hauptgründe sind sicherlich ein gutes Jobangebot oder grundsätzlich bessere Arbeitsbedingungen, die Neugierde auf ein spannendes neues Land oder vielleicht einfach Unzufriedenheit im eigenen Land. Ich werde das ein oder andere Mal angesprochen oder angeschrieben, wie denn das Auswandern ist und ob es sich „lohnt“ auszuwandern. Und ich kann das ganze mit einem klaren Ja beantworten, auswandern lohnt sich immer – egal wohin. Vorher sollte man sich allerdings ein paar Gedanken machen.

DEFINITION AUSWANDERN

Es wird sich tatsächlich hin und wieder im Netz über die Definition des Auswanderns gestritten. 

Laut Duden ist die genaue Definition „seine Heimat für immer verlassen [und in einem anderen Land eine neue Heimat suchen]“. So, der Knackpunkt ist hierbei das für immer. Denn, wenn man nicht für immer aus Deutschland wegbleibt, ist man eigentlich nur in ein anderes Land umgezogen. 

Da man aber nie weiß, was die Zukunft bringt, spreche ich in meiner Situation auch von Auswandern. Bleibe ich für immer in der Schweiz? Gehe ich zurück nach Deutschland? Werde ich in einem ganz anderen Land glücklich? Ich weiß es nicht. Da aber mein Vorhaben aktuell heißt „Schweiz – open end“, rede ich vom Auswandern und nicht einfach nur Umzug. Denn es gehört einfach ein wenig mehr dazu, die Umzugskartons zu packen und die neue Wohnung einzurichten.

WOHIN MÖCHTE ICH ÜBERHAUPT?

Zurst einmal sollte man sich die Frage stellen, warum man eigentlich wegmöchte, also was einen am eigenen Land stört und was man sich vom neuen Land erhofft. Es muss nicht immer ein gravierender Grund sein wie z. B. „Mich stört die politische Lage in Deutschland“, sondern das kann auch ein einfacher Grund sein wie „Ich möchte auf einer Insel leben“.
Sollte man jetzt am Meer leben wollen, muss man sich überlegen, ob es nicht auch reichen würde an die Nord/ Ostsee zu ziehen. In den meisten fällen möchten ja aber die Leute, die ans Meer ziehen wollen, viele Sonnentage und schönes warmes Wetter, was man von unserem Norddeutschland ja nicht behaupten kann. Wir persönlich lieben die Berge und vielen Seen in der Schweiz, möchten aber auch gerne eine Zeit lang mal am Meer leben. Worüber man sich auf jeden Fall Gedanken machen muss: Wie ist das Klima? Wie ist die politische Lage? Wenn man religiös ist, sollte man auch die Glaubensrichtung herausfinden. Wie sind die medizinischen Begebenheiten? Wie sieht es überhaupt Versicherungstechnisch aus? In den USA ist das System komplett anders zu unserem in Deutschland.

Es gibt aber wirklich vieles zu bedenken, bevor man einfach unüberlegt ausreißt.

Hier sind meiner Meinung nach die wichtigsten Punkte, welche man sich überlegen sollte. 

WELCHE SPRACHE MUSS ICH SPRECHEN?

Um das Traumland ein wenig einzugrenzen, sollte man sich definitiv Gedanken um die Sprache machen. Das kann mit unter ein K.O. Kriterium sein, da es Länder gibt, welche gute Sprachkenntnisse als absolute Voraussetzung haben wie z. B. Kanada.
Es stimmt schon, dass man eine Sprache am besten lernt, wenn man in einem Land lebt, bei der diese Sprache gesprochen wird. Allerdings sollte man bereits Basics mitbringen. Ohne reine französisch Kenntnisse, könnte ich zwar nach Frankreich ziehen, weil es in der EU ist, aber sinnvoll ist das ganz sicher nicht. Man sollte sich verständigen können und, wenn ihr als Angestellte dort arbeiten möchtet auch ein Bewerbungsgespräch führen können. Diesen Punkt sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Solltet ihr in einem sehr internationalen Unternehmen arbeiten, können vielleicht auch gute Englisch Kenntnisse ausreichen. So wird zum Beispiel bei Alex Arbeitsstelle hier in der Schweiz oft komplett auf Englisch kommuniziert, da es ein globales Unternehmen ist.

Für die Schweiz: Wir haben uns natürlich die Zentralschweiz ausgesucht, da hier deutsch gesprochen wird. Aber Schweiz ist nicht gleich Schweiz. Wenn man in die Westschweiz möchte, sollte man Französisch können und um im Tessin zu leben Italienisch. 

Das Vorhaben auszuwandern kann natürlich ein enormer Ansporn sein, eine neue Sprache zu lernen oder zu vertiefen. Auch deswegen lohnt sich eine Auswanderung. Und falls es in die deutschsprachige Schweiz geht, ist es trotzdem eine Überlegung Wert Französisch oder Italienisch zu lernen. Ist ja nicht weit in die jeweiligen Gebiete. 

ANGESTELLTER ODER SELBSTSTÄNDIG?

Die Frage ist gleich wichtig, wie die der Sprache zu setzen. Es ist nämlich schon ein Unterschied, was man für einen Beruf ausübt.
Jemand der Selbstständig ist, kann eher in ein Land ziehen, bei der er die Sprache nur mäßig beherrscht, da er z. B. sein Business Online betreibt. Da ist es auch egal, von wo aus man arbeitet. Die Sprache kann man dann tatsächlich vor Ort einfach mit der Zeit lernen. 
Als Angestellter sieht das anders aus, da sollte die Sprache schon auf höheren Niveau gesprochen werden, um überhaupt daran zu denken dorthin auszuwandern.
Ich persönlich bin erst ausgewandert, als ich bereits eine Jobzusage hatte (bzw. mein Mann den Arbeitsvertrag vorliegen hatte) und das würde ich auch jedem anderen ans Herz legen. Nichts ist schlimmer als voller Freude im neuen Land anzukommen und dann immer frustrierter zu werden, weil man keinen Job findet und sich langsam sein erspartes auflöst.

WIE VIEL GELD SOLLTE ICH HABEN?

Egal worum es geht, es geht auch irgendwie immer ums Geld. Wenn man solch ein Vorhaben plant, kann man natürlich nie genug Geld haben. Als Richtwert würde ich sagen ca. 3.000,- bis 5.000,- € solltet ihr im Gepäck haben, nachdem die ersten Kosten gedeckt sind.
Diese ersten Kosten wären die Kaution, die erste (oder ersten zwei) Monatsmiete(n) und Umzugskosten. Das Geld ist dann für die Lebenshaltungskosten im ersten Monat und unvorhergesehene Ausgaben. 
Wenn jemand Arbeitslos in das Land kommt und nicht gleich nach einem Monat sein Gehalt auf dem Konto sieht, würde ich so viel zusätzlich gespart haben, wie die Lebenshaltungskosten in dem Land für ca. sechs Monate sind. In sechs Monaten sollte man schon einen Job finden.
Wichtig ist natürlich der Richtwert des Landes wo man leben möchte und nicht Deutschland. Sechs Monate Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind andere wie in Thailand.

Bern

SOLLTE ICH VORHER DORT GEWESEN SEIN?

Von mir gibt es hier ein ganz klares Nein. Egal in welchem Land man Urlaub gemacht hat, es hat immer eine ganz andere Wirkung auf einen, als wenn man dort lebt und arbeitet. Im Urlaub hat man die Rosa rote Brille auf und findet alles toll, man hat für so vieles Zeit wofür man zu Hause keine Zeit hat. Hier kommt der Haken: Auch im neuen Land hat man dafür keine Zeit.
Auch in jedem noch so schönem Urlaubsland wird der Alltag einkehren, werden die Arbeitsstunden einen einholen und einem die Freizeit rauben. Ob ich jetzt in Deutschland bin oder Italien macht da nicht so einen großen Unterschied.
Man sollte sich also einfach informieren, was mir das neue Land bietet, egal ob ich schon dort war oder nicht. Ich war vorher auch kein einziges Mal in der Schweiz und hatte auch nicht das Bedürfnis einmal dort hinzufahren, bevor ich dorthin ziehe.

Meiner Meinung nach ist Recherche das wichtigste in diesem Punkt.

LAUFE NICHT VOR ETWAS DAVON!

Den Satz habe ich bei meiner Recherche vor der Auswanderung sehr oft gelesen und kann ihn nur unterstreichen. Wenn man vor einem Problem davonläuft, wird es einen immer einholen, egal wo man ist. Nach ein paar Wochen hat man sich eingelebt, die größten Hürden sind überwunden und dann kehrt der Alltag genauso ein wie in Deutschland. Und plötzlich kommen die Probleme gleich hinterher. 
Man sollte mit sich selbst im Reinen sein, um sich voll auf seinen neuen Lebensabschnitt einzulassen, was aber nicht heißt, dass man ein neuen Lebensstil austesten sollte. Normalerweise kennt euch dort niemand und ihr könnt euch ganz neu definieren – auch das kann ein Grund für eine Auswanderung sein.

ALSO LOHNT SICH DIE AUSWANDERUNG?

Ich will ehrlich sein: Auswandern ist kein Zuckerschlecken. Man lässt seine Familie und Freunde komplett zurück, sein gewohntes Umfeld für etwas, wovon man nicht weiß, ob es das Richtige für einen ist. Die Entscheidung, ob man es wagen sollte, kann einem niemand abnehmen.

Fakt ist aber, dass es ein riesen Abenteuer ist. Man lernt neue Kulturen, Sprachen oder Gerichte kennen. Man kann sich neu definieren und neue Menschen mit anderen Lebensstilen kennenlernen. Umso exotischer das Ziel, desto krasser der Input. Aber auch in einem Land wie die Schweiz sind schon starke Unterschiede zu Deutschland. Man lernt sich einfach selbst viel besser kennen, wenn man aus seinem Nest herauskommt. 

Wenn ihr nach einer Zeit merkt, dass die Auswanderung doch nichts für euch ist, dann geht einfach zurück. Niemand wird es euch verbieten und eure Familien und Freunde werden sich freuen. Trotzdem wird diese Zeit nicht spurlos an euch vorbeigehen, auch wenn man es nicht gleich bemerkt. 

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